You are here: Home / Blog / 2013 / Trainingslager Cesenatico

Trainingslager Cesenatico

Egon, unser Vereinsvorsitzender hat uns den kleinen Ort Cesenatico, Italien,
mit gluehenden Worten beschrieben und nachdem wir uns Bilder und
Beschreibungen angeschaut/angehoert hatten, fassten wir Triathleten den
Beschluss, dass dies ein guter Ort fuer ein Trainingslager sei. Radwege au
masse, ein geheizter Pool draussen, das Meer vor der Tuere, und noch nicht
ueberlaufene Wege, auf denen man auch laufen kann. Ein Traum fuer Triathleten.
Also fuhren wir hin - geplant war eine Samstags-Anreise - bei uns wurde es
wegen der Beerdigung meines Stiefvaters Sonntag. Waehrend also der Rest des
Vereins Sonntag schon gruendlich in der Gegend rumgeradelt war, standen wir am
Gotthard-Tunnel im Stau. Aber am Montag konnte es dann auch fuer uns
losgehen.
Das Hotel (Lungomare) ist super - wie gemacht fuer Sportler, direkt am Meer,
mit Pool, mit Fahrradraum, der wie ein Rennstall aussieht, mit
Reparaturwerkzeug zur freien Verfuegung, mit Essen vom Buffet morgens und
abends und fuer die Rad-Touristen auch noch ueber Tage zum nehmen, sobald man
wieder zurueck ist.
Ausserdem organisieren sie Touren und Extra-Programm fuer Nicht-Sportler oder
nicht-Radler.
Einziges Manko: dieses Jahr ist es sau-kalt. Und es regnet immer mal
wieder. Die erste Radausfahrt wich also zugunsten einer langen Pool-Einheit
plus abendlichem Lauf. Die zweite (60km) Rad-Ausfahrt fand statt - erst
hoch-hoch-hoch, dann wieder in einer schnellen aber noch angenehmen Abfahrt
runter. angenehm - damit meine ich, dass nichts zu steil oder zu kurvig
ist. Unangenehm allerdings, weil es so saukalt und feucht war, dass einem die Finger
einfroren und das Bremsen zur Glueckssache wurde. Die Fuesse waren ja schon
kalt, obwohl Martin und ich uns chemische Fusswaermer an die Socken geklebt
haben. Die waren da schon ausgeheizt, glaube ich. Meine Jacke ist eigentlich
wind-dicht aber oben und unten zog's doch rein und unten angekommen, waren wir
alle so verfroren, dass wir schneller machen mussten. Zwei Mitglieder der
Gruppe liessen wir sich im Cafe zwecks spaeteren Abholens aufwaermen, wir
flickten noch einen Platten, den Martin sich an einem Schlagloch geholt hatte,
unser
Scout Egon fuhr los, bei einer benachbarten - ihm bekannten Eel-miel
(Oel-Muehle) einen Termin fuer morgen fuer die Gruppe zu vereinbaren - wir
werden dann schauen, wo extra-natives virgin Olivenoel herkommt und wie man
das presst usw. Und vielleicht auch welches fuer die naechsten Salate im Hause
Zinser einsammeln. Leider hatte Egon spaeter noch einen Zusammenstoss und hat
sich Schulter und Huefte verletzt - ein Tag Pause ist angesagt.
Nach dieser Ausfahrt machten Connie, Martin und ich uns auf die Suche nach dem
naechsten Radladen - Martin und ich kauften uns Neopren-Fuesschen - die Zehen
waren ja schon sehr kalt gewesen. Kaelter als am Vortag, wo wir durch Ravenna
im Regen stiefelten und und hin und wieder beim Warten auf die Gruppe Eiszehen
holten. Normal mag ich Kultur und alte Gebaeude sehen, aber ich wollte dann
irgendwann nichts wie heim meine Zehen
auftauen. Schuhe-und-Socken-Zwischenstation vor einem heissen Ofen in einem
Restaurant half ein bisschen aber es war einfach zu nasskalt und eklig.
Nach dem Neopren-Erwerb gingen wir uns ein wenig aufwaermen und dann spaeter
nochmal raus in dern Regen - laufen. Diesmal mit Peter und Martin - nicht
gerade GA1, aber schnell genug, um in der vorgegebenen Zeit einen alten Hafen
zu erreichen und schoene Schiffe/Boote und Kultur (Design Leonardo da
Vincis) zu sehen.
Wieder auf den Rueckweg gemacht, unterwegs noch den 'kleinen Mann von
Cesenatico' fotographiert, und dann - ab unter die Dusche. Warm, waermer -
noch waermer.....
Das Abendessen war wie zuvor ein super-einladendes Buffet, an dem man immer
mehr schnabuliert, als man zum Aufladen verbrauchter Kalorien braucht.
Am Mittwoch hielt sich Egon zurueck, so dass seine Prellung sich erholen
konnte. Also fuhren wir mit einer der Hotel-touren mit. Geplant: 85km, flach
mit einem kleinen Huegel. Also ging's um 9:45 los, Martin und ich hatten
unsere brandneuten Neopren-Fuesschen an, aber der Tag versprach auch so,
waermer zu werden. Mein Tacho - diesmal hatte ich ihn dabei - zeigte 10 Grad
an, also wahrhaft sommerliche Temperaturen. Wieder war ich fasziniert von der
Geduld der italienischen Autofahrer - fuer viele hatte ein Peloton von Radlern
absolute Vorfahrt - keiner fuhr ruecksichtslos an uns vorbei. Ueber ebene
Strecken ging es ca. 40km durch die Landschaft - diesmal mit etwas Sonne und
ohne Regen. Dann kam der kleine Huegel - und da ging's ordentlich ab, weil so
klein war der Huegel gar nicht. Unser Guide gab uns die Anweisung oben zu
warten - aber dann ging es um die Ecke und nochmal hoch. Die Aussicht ueber
die gesamte Ebene lohnte sich aber dann - es wurden Fotos gemacht und dann
ging's nur noch bergab mit uns. Steil, schmal und kopfsteingepflastert war die
Strasse
und von hinten kamen auch noch Autos. Auch hier - supervorsichtiges
Ueberholmanoever. Unten angekommen gingen wir einen Capucchino trinken und
dann war wieder alles flach fuer den langen Heimweg. Insgesamt gab es diesmal
zwei Platten  - bei einem bot uns ein Hausherr, vor dessen Tor wir pausierten,
einen selbstgemachten Granatapfelwein an und gab uns den Rest der Flasche
mit. Einen 'ich-komme-nicht-aus-den-Pedalen-raus-Fall' gab es auch, aber
niemand wurde verletzt.
Spaeter sprang ich noch in den Pool - der Geschmack nach PVC war ein wenig
verdunstet - nicht mehr so intensiv, was gut war, weil ich meine Wasserflasche
vergessen hatte. Ein paar hundert Meter geschwommen und geduscht und ab zum
Buffet.
Abends gab es noch einen Vereinsbesuch bei einer Eelmiel, wo uns der
Oliven-Oel-Press-Prozess genau erklaert wurde und wo wir auch die
verschiedenen Sorten anschmecken durften. Und kaufen durften...
Am Donnerstag ging's auf eine von Egon geplante 110km-Tour, waehrend Martin
sich am Strand mit Laufen im Sande rumschlug. Ein groesserer
Huegel - nein - Berg im Weg war geplant. Eine
Familie aus dem Schwarzwald hatte sich uns angeschlossen und so kletterten wir
gemeinsam - die Kinder hielten super mit.
Die Schnellen durften den knackigen,
aber kuerzeren Anstieg nehmen, wir den langen, aber auch deftigen.
Aber vorher
verabschiedete sich Egons Rad auf gemeine Art - die Kette hing zwischen
innerem Ritzel und Rad und es machte dabei ein ekliges
chrchrchr-Geraeusch. Nach einer Stunde Reparaturversuch und Weiterfahrt der
mitfahrenden Familie wurde beschlossen, die
Ursache laege am Fall zwei Tage vorher - schliesslich hatte das Rad
gechrchrchrt, als Egon danach erstmalig das kleinere Kettenblatt benutzen
wollte. Also waren wir unseren kompetenten Guide Egon los und nachdem dieser uns
nochmal den Weg erklaert hatte, legten wir los, waehrend er auf vierraedrige
Hilfe aus dem Hotel wartete.
Dieser Anstieg... Also ich war froh, dass wir nicht den kurzen, knackigen
gewaehlt hatten. Aber der Berg von oben belohnte die halbstuendige
Strapaze. Dann ging's fix abwaerts, mit einem
'krieg-die-Kurve-nicht-mehr-ganz-Vorfall und blutig geschrappten Fingern, aber
keine weiteren Schaeden - Gott sei Dank!
Anschliessend fanden wir uns in einem Cafe wieder, wo lauter aeltere Herren
sassen und anscheinend den lieben langen Tag Karten spielten. Und wir Radler
dazwischen wie die Heuschrecken einfielen und den Capucchino-Vorrat
dezimierten. Die junge Frau an der Theke nahm's gelassen und bediente uns
schnell - immer due capucchini auf einmal.
Und ab die Post - der Rest der Strecke ging eher runter als rauf, aber
trotzdem schafften wir nicht mehr, rechtzeitig zum Nachmittagsbuffet im Hotel
anzukommen. So aus lauter hungriger Verzweiflung (ok, halb so schlimm, aber
hungrig war ich schon) suchte ich nach dem Duschen den Radladen auf und wir
kaufen ein paar Bars. Fuer sofort und fuer die sicher am naechsten Tag
geplante Ausfahrt.
Dann noch mal 15 Minuten in den Pool - das lockert die Schultern schon schoen
auf. Abendessen war ein Potpourri der Romagne - mit Vortaenzern und lokalem
Essen. Und Sylvia - zweimal am Nachtischbuffet... Uuups...
Ein paar Mit-Sportler aus Hamburg sassen genau da, von wo ich die Jungs
zuhause anrufen wollte und so kam man ins Gespraech. Bei den Jungs war alles
in Ordnung - die genossen immer noch die elternfreie Zone.
Danach - kurzer Check, wer sich in welcher Radel-Gruppe eingetragen hatte -
Zinsers waren erst auf 40km fixiert gewesen, primaer wegen
Gottesdienstbesuchswunsches fuer Karfreitag, sekundaer wegen  Martins
Schultern. Dies trugen wir aber um, weil Martin meinte, seine Schultern seien
ok, und weil der Gottesdienst erst abends ist. Und der halbe Verein plus
einige Hamburger auch...
Ein letzter Capucchino fuer den Tag, ein Computer-Internet-Zugangsticket zum
e-mail-Checken und dann ab ins Zimmer. Die naechste Ausfahrt kommt bestimmt und
hat bestimmt einen Berg mitten drin...
Und dieser Berg kam dann am Karfreitag - sah eigentlich auf dem Hoehenprofil
recht harmlos aus. Gerade ebene Strecke mit einem Berg, hoch nach San Leo, nahe
bei San Marino. Also ging's wieder um dreiviertel zehn los, ich trug wegen des
vorangekuendigten, etwas waermeren, Wetters nicht mehr meine CdA-Finisher-Jacke
sondern etwas leichtere, aber winddichte Kleidung. Unser guide fuhr mit uns
ein leicht steigenden Kurs und nach ca 30km gab es Pipipause fuer die
Damen. Dann ging es ein wenig weiter hoch, bis irgendwann, bei km40 ungefaehr
ein Stop kam, und uns unsere Geschwindigkeit beim Aufstieg freigestellt
wurde. Der Guide selbst fuhr ganz am Ende um liegengebliebene, atemlose, oder
frustrierte Gruppenmitglieder zu motivieren, den Aufstieg
fortzusetzen. Treffpunkt war ein Parkplatz  - 'oben' - wo auch immer oben
war. Also fuhren wir. Kleines Kettenblatt - check. Noch ein leichteres Ritzel
- check. Noch ein leichteres Ritzel - check... - ich haette mir noch ein paar
Ritzel und ein oh-so-un-triathlon-Rad-typisches Weichei-drittes-Kettenblatt
gewuenscht, aber da war keins. Da war auch nicht der sanfte Huegel der
40km-Tour, fuer die wir urspruenglich eingetragen waren. Da war nichts ausser
einem recht steilen, kontinuierlichen Anstieg, den der Guide mit drei km
deklariert hatte, mein Tacho aber als fuenf km identifizierte. OK, nicht 5km
hoch, sondern 5km Strecke, aber hoch auch ganz ordentlich.  Und immer wieder
Serpentinen, so dass man sich auf das Ende des Leidens nach der naechsten
Kurve freuen konnte. Aber das Ende des Leidens bedeutete nur noch mehr vom
Gleichen. Ich weiss nicht, wie lange ich mich nach dem Parkplatz, nach dem
kuerzeren Ausflug, nach einem Kettenblatt, nach einem heissen Whirlpool, nach
... geseht habe, irgendwann holte ich sogar Martin ein, weil der kurz mal
abgestiegen war. Ich war aber ganz froh um meine etwas leichteren Klamotten -
und oben fielen einige davon. Oben - Ja oben waren es sogar 19 Grad laut
meinem Tacho. Kaum waren alle angekommen, ging's nochmal hoch. Ganz hoch -
rein nach San Leo. Und dort durften wir dann Kaffee trinken, Kuchen essen,
Wasser holen, Beine Schuetteln, abgelegte Klamotten wieder anziehen, und uns
zur Abfahrt ueber kaputten Asphalt bereitmachen. Ich fuhr ganz hinten mit
meinen Fingern an die Bremshebel geklebt und den Daumen fast ueberlastet von
der Verklebung...
Der Rueckweg ging flott voran - unser Guide fuhr garantiert keine 23-26km/h,
aber ich habe leider keinen Beweis - mein geliebtes Endomondo lief nicht mit
weil ich vergessen hatte, es anzuschalten. Zwischendurch gab's Besuch einer
anderen Radgruppe, und zweier Einzelradler, die einzige technische
Schwierigkeit war eine entgleiste Kette. Die 82km wurden wieder 89, aber am
Ende waren wir froh, zurueck im Hotel zu sein. Ich finde es ziemlich
schwierig, ganz hinten in der Gruppe zu fahren, weil man entweder wie um sein
Leben tritt, oder bremst. Gleichmaessig is nich. Wie der Schwanz vom Dackel -
an der Spitze, wo man mit muss, egal wo's hinwedelt...
Meine 15min Laufeinheit habe ich mir anschliessend gespart, aber wir sind in
den Ort hineingegangen zum Souvenir Kaufen.
Abends waren wir noch in einem katholischen Karfreitagsgottesdienst, sassen
noch ein wenig mit allen RSC-lern zusammen und dann ging's in die Falle.
Und morgen fahren wir dann wieder zurueck nach Kronau.
So, zurueck in Kronau schiebe ich dieses lange File ganz schnell in den Blog..